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Vladimir Anselm: Das Profil der Zeiten
18 October 2018

RUSSIAN ACADEMY OF ARTS

&

KROKIN GALLERY

present


Vladimir Anselm

GIGANTOMACHY

/ painting, objects /

16.10.18 - 25.11.18





IN THE SPACE OF ZURAB TSERETELY GALLERY OF ARTS
(Prechistenka, 19)



Vladimir Anselm: biography, selected works

Vladimir Anselm: DAS PROFIL DER ZEITEN

Oleg Schischkin

„Das Imperium ist nie gefallen“, wie eine Figur Philip K. Dicks sagte. Dieser Gedanke kommt einem auch beim Betrachten der Arbeiten Vladimir Anselms.

Imperien brauchten große Räume, große Räume brachten große Ideen in einem totalen, hegelianischen Sinne hervor. So entstand einstens auch das Fundament der Nationen.

Anselm lebt an der Überschneidung der Kulturen – der russischen und der deutschen. Die nationalen Codes nimmt der Autor zum Anlass für tiefgreifende visionäre Vergleiche, die hin und wieder von einer Sehnsucht nach großen untergegangenen Epochen durchdrungen scheinen.

Doch welche Monologe übermitteln die Köpfe monumentaler Statuen auf Sackleinen, das an verwitterte Haut erinnern mag? Möglicherweise erinnern diese uns bekannten Profile an Archetypen, an ewige, unabweisbare, tiefliegende Bilder, die im Bewusstsein von Schöpfern auflodern, beginnend mit der Epoche Phidias und Lysipps. In ihrer grellen Kälte und Unnahbarkeit zeigt sich der Code des Autors, das Persönliche, das zur Linie wurde.

Die ursprüngliche Bestimmung der Skulptur sahen die Griechen in der Schmückung der Tempel, wo die Pythia und die Sibyllen ihr Zwiegespräch mit den Göttern des Olymps hielten. Die Beseelung des Steins war mystische Notwendigkeit in der Welt der legendären Helden, die dem Fatalismus des Göttergesetzes und des Opfers widerstanden.

Die Klassik in eine avantgardistische Interpretation überführend wendet sich Anselm den Bildern der Vergangenheit zu, dem epischen Feuer heroischer Zeiten. Der Bezug des Autors wäre jedoch nicht endgültig, wenn sich zu den beunruhigenden Bildern nicht ein harscher Hintergrund gesellte, in denen die bildhauerischen Zitate Anselms gleichsam im Schlaf schweben. Das Element der Bergrücken, der Eisberge, der glitzernden Gletscher – all dies ist Weg zum Gipfel, zur geistigen Substanz, die von einem weltumspannenden Leuchten erfasst ist.

Die Welt der Bilder Anselms fügt sich aus gegensätzlichen Hyperbeln, edlen Spekulationen entsprungen, zusammen. Ihre Grundlage ist das Sehnen nach einer heroischen Epoche, in der der Mensch als Kämpfer, Krieger in titanischer Anspannung verweilt. Er hält den schneidenden Winden des Nordens stand, dem eiseskalten Andrang des unbesiegbaren Kosmos. Dieser Kampf ist unendlich, der Sieg kaum zu erringen.

Das Thema der Gigantomachie hat seinen Ursprung in der Antike, bis heute aber nicht an Aktualität verloren. Die Giganten, Sinnbild der irdischen Kräfte, erhoben einen Aufstand gegen die göttliche Ordnung.

Renaissance, Aufklärung und Säkularisierung gaben dem Menschen Unabhängigkeit – ohne sich einer Legitimierung durch die Götter zu versichern, lebte er fortan selbstbestimmt, erhob sich zum Giganten. Besondere Ausprägung erhält das Gigantische in totalitären Systemen, denen immer etwas Titanisches innewohnt.

Das Projekt „Gigantomachie“ zeigt die Rückkehr des Menschen zur Erde im Geiste des antiken Weltverständnisses. Der Mensch wird in die Hierarchie des antiken Kosmos eingeordnet als Teil der Natur, als Geschöpf der Erde. Als Gigant ist er zugleich Geschöpf des Chaos, der Vorstellung vom Transzendentalen bar. Hier klingt einerseits das wiederkehrende Motiv der deutschen Philosophen und Romantiker an – das der existentiellen Verlassenheit, des Sinnverlustes und der Tragödie des Nihilismus, im Gefolge der Ideen Nietzsches vom Verlust der Verbindung zum Göttlichen und Jüngers vom Kampf mit dem Nihilismus. Andererseits aber entsteht gerade im Zusammenstoß dionysischen Chaos und apollinischer Ordnung das Kunstwerk, das Katharsis gebiert.

Der Weg des Künstlers Anselm ist der Weg unablässiger Arbeit am tieferen Verstehen, des Ringens mit der Materie des Lebens, wobei jede Bewegung die eigenen Möglichkeiten der Ergründung des weltumfassenden Geheimnisses offenbart.






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